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Sorbischer Imkerverein (Serbska pčólnica)

Aus der Geschichte des 100jährigen sorbischen Imkerverbandes "Serbska pčólnica" 1906-2006

Schon seit sich in der Lausitz die ersten slawischen Stämme niedergelassen haben und die landwirtschaftliche Entwicklung begann, wuchs das Interesse an der Arbeit mit den Bienen. Besonders in der Heide begannen die Imker ihre Arbeit mit Wildbienen, die sie sich in ausgehöhlten Bäumen hielten. Besonders zur Zeit der Herrschaft der Franken war Honig ein wichtiger Bestandteil der Abgaben, die die Sorben als Untertanen zahlten. Der Honig war zu dieser Zeit das einzige Süßungsmittel, da Zuckerrüben noch keiner kannte und Zuckerimporte aus den Südländern zu teuer waren. Davon zeugen heute noch alte Dokumente aus damaliger Zeit im Kloster St. Marienstern.

Schon immer sind die Sorben als sehr gute Imker bekannt gewesen, auch weit über die Grenzen der Lausitz hinweg. Sogar die russische Zarin Katharina II. ließ Studenten beim Wissenschaftler und Pfarrer Adam Gottlob Schierach in Kleinbautzen zu Imkern ausbilden.

Im 19. Jahrhundert begannen die Imker in Crostwitz, Ostro, Rosenthal, Purschwitz und Schleife sich zu treffen, um in Gesprächen und bei einem Bier Erfahrungen und Neuigkeiten der Bienenzucht auszutauschen. Besonders aktiv war der Ralbitzer Witschas, er organisierte in den Jahren um 1850 Züchtertreffen in Johannisbad Schmeckwitz, wo später der erste Imkerverband gegründet wurde. Die beiden wichtigsten Sprecher des Verbandes waren damals der Ostroer Kubank und Lehrer Jurk aus Räckelwitz. Doch zum Ende dieses Jahrhunderts schlief die Tätigkeit des Vereins allmählich ein und bis heute haben sich nur mündliche Überlieferungen gehalten.

Seit 1905 trafen sich die sorbischen Imker in der Gaststätte Hornig in Crostwitz und der Gedanke eines gemeinsamen Verbandes begann zu wachsen. Kurz darauf, am Tag des Gedächtnisses der Schmerzen Maria des Jahres 1906 wurde im hinteren Raum der Gaststätte der sorbische Imkerverband "Serbska pčólnica" gegründet. Zum ersten Vorsitzenden wurde der Landwirt Jakob Kmetsch von den anwesenden Imkern gewählt. Er galt als ein sehr guter und wendiger Redner. Stellvertretender Vorsitzender wurde Kantor Hille und als Schatzmeister und Protokollant wurde Michael Zschornack gewählt. Unter anderen waren damals bei der Gründung des Imkerverbandes anwesend: Bäcker Jakob Kral, Müller Johann Bart, Michael und Peter Schramm, Tischler Michael Jentsch und Sebastian Sareng.

Die Mitgliederzahl wuchs schnell und regelmäßige Treffen fanden nicht nur in Crostwitz, sondern auch in Ralbitz, Ostro, Nebelschütz, Rosenthal und Radibor statt.
Die Imker befassten sich auf den Versammlungen mit der Frage der Züchtung von Bienenköniginnen, Bau von Bienenstöcken, Erhöhung des Ertrages, Ausschneiden und Kochen des Honigs. Der Honig wurde damals mit der Wabe gegessen oder ausgekocht, was für das Honigaroma nicht gut war. Das moderne Ausschleudern des Honigs war damals noch nicht bekannt und wurde erst später eingeführt.

Zu den Treffen befasste man sich auch mit neuen Methoden der Züchtung und mit der Wanderung der Bienenstöcke, so fuhr man die Bienenstöcke mit dem Pferde- oder Hundegespann auf eine neue bessere Weide, um einen besseren Honigertrag zu erreichen.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts war die Honigernte besonders gut, so dass die Imker Schwierigkeiten hatten den Honig zu verkaufen.
Es gründete auf sehr vielen Bienenvölkern (in Crostwitz 120, im sorbischen Imkerverband 1000), aber auch auf der vorhandenen guten Weide für die Bienen.

Der 1. Weltkrieg unterbrach die fleißige Arbeit der Imker und des sorbischen Imkerverbandes. Auch unsere sorbischen Imker mussten vom Bienenstock weg ins Feld ziehen, sie wechselten die alltägliche Kleidung mit einer Uniform, den Bienenstock mit der Kaserne oder mit dem Schlachtfeld. Dieser Krieg hinterließ tiefe Wunden im Kreis der Imker und 70% aller Bienen gingen ein.
Trotz der Rückschläge erwachte der Imkerverband zum neuen Leben. Jedoch nach einem kurzen Wiederaufblühen in den zwanziger Jahren litt der Verband erneut unter der 1933 zur Macht gekommenen faschistischen Regierung. Der Imkerverband wurde in Crostwitzer-, Ralbitzer-, Ostroer- "Ortsfachgruppe Imker" geteilt und in den Kreisverband Imker eingeordnet.

Der sorbische Charakter der Imkerversammlungen führte schnell zum Befehl an den Vorsitzenden des Verbandes Michael Scholze, dass während der Versammlungen nur noch deutsch zu sprechen ist. Die Imker begriffen schnell die Zusammenhänge und wohin der Hase läuft,
sie trafen sich in Wenk`s Gaststätte und vertranken das Geld aus der Imkerkasse, so dass nur noch wenig übrig blieb. So fand die Gestapo nur noch die fast leere Kasse vor, sie nahm jedoch sämtliche Bücher und Dokumente des Vereins mit. Deshalb verblieben dem sorbischen Imkerverband keinerlei Einträge aus der Zeit bis 1945- vieles ist in den Händen der Gestapo verschwunden und einiges ist bei dem Feuer im Bautzener Sorbischen Haus vernichtet worden.

Sofort nach dem 2.Weltkrieg, im Jahre 1945, wurde der sorbische Imkerverein wiedererweckt. Schon bald gesellten sich zum Verein die Mitglieder des Rosenthaler Vereins "Wrjós". In diesem Jahr befassten sie sich besonders mit dem Problem des fehlenden Zuckers für die Fütterung der Bienen im Frühherbst. Der Dorfimker war genötigt einen großen Teil seines geernteten Honigs an die VEAB abzugeben, er bekam dafür im Verhältnis von 1:3 den dringend benötigten Zucker.

Weiterhin empörte die Imker die vorgesehene Eingliederung des Imkerverbandes in den Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter und rief heftige Diskussionen hervor. Der sorbische Imkerverband sah es als Aufgabe, die Selbständigkeit und den Namen "Serbska pčólnica" zu erhalten. Die entsprechende Zusage erhielten sie nach einer Bittschrift an das Ministerium für Landwirtschaft der DDR in Berlin.

In den Vorbereitungen zum 50jährigen Jubiläum, das am 13. Mai 1956 in der Gaststätte Wenk gefeiert wurde, beschäftigten sich die Mitglieder in ihren Zusammentreffen mit der Geschichte des Vereins. Der langjährige Vorsitzende Michael Scholze hielt einen Vortrag zur Geschichte des sorbischen Imkerverbandes bis zum Jahre 1933 und Lehrer Benno Elle aus Horka schrieb einen umfangreichen Bericht anlässlich des 50jährigen Jubiläums zur Geschichte des Vereins.

Für den langjährigen späteren Vorsitzenden Georg Elle aus Leopold war die Weiterbildung der Imker auf dem Gebiet der Züchtung von Bienenköniginnen ein wichtiges Thema. Wie aus den Protokollen der Versammlungen zu ersehen ist, bemühte sich der Verein erfolgreich um die Einrichtung einer Station zur Befruchtung der Bienenköniginnen im Wald bei Buschenke, um ein reinrassiges Züchten zu ermöglichen.

In den 70er Jahren kam es zu freundschaftlichen Beziehungen mit tschechischen und polnischen Imkern. Noch heute denken die Mitglieder gern an die gemeinsamen Treffen und Ausflüge zurück.

Mit der Wende 1989/90 beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Vereins "Serbska pčólnica". Die neue Marktwirtschaft brachte den Imkern neue Herausforderungen beim Absatz ihres gewonnenen Honigs und Wachses.
Im Jahre 1999 wählte der sorbische Imkerverband Johannes Wessela aus Crostwitz zum neuen Vorsitzenden, nachdem der langjährige
Vorsitzende Georg Elle aus Leopold diese Funktion niedergelegt hat. 

Der sorbische Imkerverband "Serbska pčólnica", bestehend zurzeit aus 27 Mitgliedern, die ca. 200 Bienenvölker züchten, ist ein fester Bestandteil des sorbischen Dorflebens. Im Vereinsleben werden die sorbische Sprache, sowie auch die sorbische fachliche Imkerterminologie gepflegt. Der Verein trägt mit der Förderung der Bienenzucht aktiv zur Versorgung der Bevölkerung mit Bienenhonig und Wachserzeugnissen bei, sowie auch der Befruchtung von Blüten der Obstbäume, Feld- und Wildblumen.

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